2014. október 12., vasárnap

Rainer Koch - Interview mit dem König der Mehrtagesläufen



Rainer Koch ist der König der Etappenläufe. Der 34-jährige Ultra-Langstreckenläufer aus Dettelbach hat alle maßgebenden Mehrtagesläufe gewonnen: TransGaule (Trans-Frankreich), Deutschlandlauf, TEFR (Transeuropalauf), LANY (Trans-Amerika), JOGLE (Trans-Großbritanien). Über Erlebnisse, Erfahrungen und immer noch vorliegende Ziele habe ich mit Rainer Koch gesprochen:

Einige Ultraläufer kommen von der Bahn und mit den Jahren werden die Strecken immer länger. Wie bist du zum Ultraläufer geworden?



Als Kind bin ich mit meinen Eltern zum Wandern zu den IVV-Wanderungen (www.dvv-wandern.de) mitgenommen worden. 
An meinem neunten Geburtstag absolvierte ich dort auch meinen ersten Marathon. Bekannte, die uns überholten, zogen mich immer wieder mit, so dass ich im Laufe der Jahre langsam vom Wandern zum Laufen kam. Erst waren es nur kurze Stücke und später zog es sich über die komplette Distanz. Begonnen hatte dies bei Marathon und ging dann hoch bis zu 100km. Freunde, die schon damals die IVV-Veranstaltungen als Training nutzen, brachten mich dann auch dazu an Wettkämpfen teilzunehmen. Die erste „offizielle“ Ultradistanz war dann beim Deutschlandlauf 1998. Gefolgt von den 50 km in Schwäbisch Gmünd.


2:39 über Marathon, 84 km über 6-Stunden und 7:05 über 100 Kilometer. Diese Zeiten sind schon überdurchschnittlich gut aber deine Welt ist der Mehrtageslauf. Wie kommst du überhaupt darauf?

Im Gegensatz zu den oben genannten Veranstaltungen bieten die Mehrtagesläufe weit mehr Landschaft und Sehenswürdigkeiten. Es ist etwas ganz besonderes ein Land oder eine Region zu Fuß zu durchqueren. Je länger es wird, desto mehr sieht man. Hinzu kommt, dass bei Multiday-Rennen nicht der Tag zählt. Es ist nicht wichtig, ob man an einem Tag zu einem gewissen Moment seine Topleistung abrufen kann. Vielmehr zählen gleichmäßige Leistung, Geduld und gute Eigenorganisation über eine lange Zeit, um bei einem solchen Rennen zu bestehen. Es bedarf 70 Tage ununterbrochen Topleistung zu liefern, sich keine Verletzungen zuzuführen, auf seinen Körper zu hören und sich auf die grundlegenden Dinge im Leben zu konzentrieren.

Zu solch extrem langen Mehrtagesläufen braucht man eine enorme Ausdauer  und was noch wichtiger ist, eine schnelle Regeneration. Durch Volkswanderungen ist die Ausdauer bereits vorhanden. Wie ist es mit der Regeneration? Ist es einfach genetisch oder liegt es vielleicht an einer bestimmten Ernährung?

Eine bestimmte Ernährung habe ich nicht. Ich versuche zum Einen auf meinen Körper zu hören und ihm dementsprechend genügend Essen und Trinken hinzuzuführen. Im Gegensatz zu vielen anderen Läufern stehe ich nicht auf Energiebars, -gels oder –drinks. Ich bevorzuge alltägliche Sachen wie Tee, Milch, Cola…
Es gibt wohl zwei Aspekte die für die Regeneration wichtig sind. Zum einen eine gewisse körperliche Veranlagung. Zum anderen ist es eine Gewohnheitsfrage. Durch mein Training, welches sich auf lange Wochenendeinheiten beschränkt, wird der Körper zu einer schnellen Regeneration gezwungen. Zudem ist er schon seit Kindheit daran gewöhnt.

Der  Transeuropalauf war  ein 4487 km langes Rennen über 64 Tage. Eine unfassbare Herausforderung. Wie hast du darauf trainiert im Gegensatz zu deinem 2:39er Marathon?

Ich denke, dass es kein spezielles Training für solche Läufe gibt. Hierfür ist vielmehr ein jahrelanges Laufen und Erfahrung nötig. Man muss sich Erfahrung und Ausdauer aufbauen, um seinen Körper auf ein solches Event vorzubereiten. Kürzere Mehrtagesläufe sind hierfür sicher ein guter Test. Doch in meinen Augen sind selbst zehn gewonnene Transkontinentalläufe kein Garant, dass man beim elften finisht. Ein solches „Projekt“ bedarf sehr viel Anpassung an die jeweiligen Umstände. Ein hohes Maß an Flexibilität wird einem abgefordert. Man sollte auch immer im Hinderkopf haben, dass jede Kleinigkeit schnell zu einem Aussteigegrund werden kann.

Solche Läufe erfordern viel Geld, viel Urlaub und viel Verständnis von Verwandten, Freunden und vor allem der besseren Hälfte. Wie ist es mit der Kohle? Wie kannst du dir diese Läufe überhaupt leisten?

Das ist richtig. Es muss alles passen, nur dann hat man überhaupt die Chance zu starten. Für den TEFR waren es rund 7.500€ und für LANY rund 15.000€. Bei LANY kam erleichternd hinzu, dass ich mich mit einem anderen Mitstarter, Peter Barthel, zusammen getan hatte. Somit konnten wir die Kosten für unsere Betreuung und Übernachtung halbieren. Sonst wären es weit über 20.000€ gewesen.
Leider ist es sehr schwer Sponsoren zu finden. Meist treten diese dann als Materialsponsoren auf. Dies ist schon eine Erleichterung, denn auch Laufklamotten müssen gekauft werden. Jedoch senkt es nicht die Hauptkosten die sich beispielsweise durch Anmeldegebühr, Flug, Mietwagen für Betreuer, Übernachtung und Essen ergeben.
Für mich hieß es bis jetzt leider immer „sparen, sparen, sparen“! Für LANY hatte ich das erste Mal drei Materialsponsoren – Newline, Wrightsocks und SEPA. Dennoch kam am Ende die hohe Summe heraus.

Was machst du beruflich? Kannst du die ganze Lauferei mit deiner Arbeit verbinden?


Ich bin Forschungsingenieur an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Dort promoviere ich und beschäftige mich mit der Sensordatenverarbeitung in der mobilen Robotik. Bis jetzt passt die Kombination von Beruf und Hobby sehr gut zusammen. Durch flexible Arbeitszeit, Koordinierung der Projekte und gute Absprache mit meinem Chef ist es möglich meinen Urlaub passend zu planen.

Deine Frau Grace ist bei allen Volkswanderungen und Wettkämpfen dabei. Fast an jedem Wochenende. Die meisten Frauen hätten dich schon längst rausgeschmissen, spätestens nach drei Wochen. Wie sieht das hinter den Kulissen aus? Wie kann sie deine Macke akzeptieren?

Ich denke jeder Mensch hat seine eigene Macke und es ist für den zukünftigen Partner wichtig diese von vornherein zu wissen. Sicher kann man nicht einfach nur sein Ding durchziehen. Es bedarf in einer Partnerschaft immer Kompromisse und Verständnis für die Interessen des Partners.

Und Freunde, Bekannte sowie Arbeitskollegen? Was sind ihre Reaktionen nach deinen Riesenerfolgen? Sind sie stolz oder eher neidisch? Oder sowohl als auch?

Ich denke sowohl als auch. Es gibt so viele Personen um einen herum, da bleibt beides nie aus. Wichtig ist es, dass man selbst mit sich und seiner Leistung zufrieden ist. Was man selbst darüber denkt und dass man sich wohl fühlt.

2009 war das Jahr deines Transeuropasieges. Wie kamst du darauf dich an diesem Rennen zu beteiligen? Warum gerade da und nicht früher?

Mein Großer Traum war es den TransAm zu laufen, doch manchmal muss man sich auch mit kleineren „Zielen“ zufrieden geben. Das große Problem an Transkontinentalrennen ist, dass sie nicht oft organisiert werden. Ich wusste also nicht, ob ich je eine Chance bekomme einen TransAm zu laufen. 2001 gab es den ersten TransAustralien, 2003 den ersten TransEuropa. Beide Teilnahmen scheiterten an den gleichen Dingen – Geld und Ausbildung. Während des TransAustraliens war ich gerade dabei mein Abi nach zu machen. Während des ersten TransEuropas war ich mitten im Studium. Es stand für mich schon immer fest, dass Laufen mein Hobby ist, Geld aber muss mit anderen Dingen verdient werden. Daher hatte ein schneller Abschluss meines Studiums die höhere Priorität.
Erfahren hatte ich von den Läufen aus mehreren Quellen. Speziell beim TEFR war es Ingo Schulz, der Orginisator und Vater dieses Laufes, der mich darüber informierte. Ihn kannte ihn von meinem ersten Ultra, der Etappe beim Deutschlandlauf 1998. Näher kennenlernten wir uns beim Spreelauf 2001 und auch beim Deutschlandlauf 2005, welche er ebenfalls organisierte. Zudem sah man sich immer wieder auf Läufen und blieb per Mail im Kontakt.
Es freute mich umso mehr, als ich vom zweiten TEFR hörte. Dieser fand ein gutes Jahr nach meinem Abschluss statt und ich hatte somit genügend Zeit die nötigen finanziellen und organisatorischen Dinge in die Wege zu leiten. 

Die Strecke des Transeuropalaufs verlief von Bari zum Nordkap.  Unerträgliche Hitze und bittere Kälte. Du hast beide Extremfälle erlebt. Was liegt dir besser?

Es ist richtig, dass wir von brennender Hitze mit Sandsturm (in Italien)  bis hin zum bitter Kälte im Schneesturm (in Norwegen) jedes Wetter hatten. Dies bleibt nicht aus, wenn man sich überlegt welche Breitengrade man bei dieser Kontinentaldurchquerung durchläuft. Prinzipiell kann und muss man sich bei solchen Rennen auf jedes Wetter einstellen und damit klar kommen. Jedoch kann ich mich leichter auf Hitze einstellen und ich fühle mich dabei auch wohler. Dennoch darf man diese nicht unterschätzen, denn sie zu Lieben heißt nicht „unverwundbar“ von ihr zu sein.

Augenscheinlich haben die Wetterbedingungen deine Leistung nicht beeinflusst. Oder täuschen sich da vielleicht die Ergebnisliste? 

Wie schon gesagt, ist es wichtig sich auf jede Wetterlage einstellen zu können. Es mag den Anschein haben, dass die Bedingungen mich nicht beeinflussten. Ich kann jedoch ganz klar sagen, dass ich mich an den sonnigen Tagen besser gefühlt habe und die Strecke mehr genießen konnte. Die gleichen Zeiten liegen vielleicht ehr daran, dass ich trotz schwierigeren Bedingungen (Gegenwind, peitschender Regen, Kälte…) einfach nur raus aus dem „Mistwetter“ wollte.

Was hast du während des Rennens zu dir genommen?

Einfach und kurz gesagt – alles was mir zwischen die Zähne kam. Nunja, das stimmt nicht ganz. Ich bin kein Freund von Engergiegels, -drinks und ähnlichem. Daher bevorzuge ich „identifizierbares“ bzw. Dinge die ich im Alltag auch immer zu mir nehme. Hierzu fällt mir auch eine kleine Anektote vom TEFR ein.
Wir waren noch in Italien; ich hatte meine Etappe beendet und war zum Shoppen im Ort als ich an einer Metzgerei ein Angebot für gegrillten Haxen sah. Als ich später einen aß, lachten mich noch viele aus. Im späteren Verlauf, als wir bereits in Schweden waren, suchten diese selbst nach „Haxen“.
Ich habe gemerkt, dass es für mich das Beste ist, wenn ich auf meinen Körper höre. Dementsprechend halte ich nichts von Ernährungsplänen und solchen Dingen. Ich esse und trinke das, was mein Körper gerade begehrt. Egal ob es der Haxen, die Sahnetorte oder einfach etwas fruchtiges, wie Melone ist.  Wichtig ist es diese Sachen dann zu Essen, wenn man Hunger darauf hat.

Wie hast du versucht nach den jeweiligen Etappen deine Regeneration zu beschleunigen?

Eigentlich nichts spezielles. Nach dem Lauf galt es eine schöne warme Dusche zu nehmen, etwas zu essen und zu trinken, eine Runde zu schlafen bzw. sich auszuruhen, evtl. noch etwas zu essen und zu trinken, einen kleinen Spaziergang zu machen und dann auf das Abendessen zu warten.

Wie viele Schuhe hast du verbraucht?

6 Paar.

Mit welcher Marke läufst du überhaupt?

Ich habe keine feste Marke. Ein Schuh muss gut sitzen, das richtige Profil haben und vor allem eine gute Qualität besitzen, wie es bei den meisten Markenschuhen auch gegeben ist.  

Augenscheinlich hattest du eine konstante Geschwindigkeit und einen lockeren Laufstil. Solch ein Lauf ist ohne tote Punkte und Verletzungen einfach unvorstellbar…. Mit welchen Verletzungen musstest du durchlaufen?


Beim TEFR blieb ich von Verletzungen total verschont. Beim LANY hatte ich eine kleine Schürfwunde von meinem Laufrucksack an der Schulter bzw. einen Sonnenbrand. Ein lockerer Laufstiel ist aber bei solchen Veranstaltungen keine Garantie für verletzungsfreies Laufen. Es gehört sehr viel Glück dazu. Auch Dinge die nichts mit dem Lauf oder dem Laufen zu tun haben, können einen zum Aufgeben zwingen. Beim DL98 beispielsweise vertrat ich mich beim Ausweichen vor einem LKW. Im späteren Verlauf hatte ich dann noch einen Tag mir einen Magendarminfekt eingefangen. Dieser kickte mich fast aus dem Rennen. Bei so einer langen Zeit kann einfach viel passieren.

Wann bzw. wie oft hast du darüber nachgedacht, dass du einfach kein Bock mehr hast,  einfach nach Hause willst und vom Laufen erstmal gar nichts mehr hören?

Während eines solchen Rennens noch nie. Man „opfert“ zwei Jahresurlaube, um das zu tun was einem gefällt. Man investiert tausende an Euros um sich einen Traum zu verwirklichen. Man lernt die Natur, die Landschaft, die Leute auf eine ganz spezielle Weise kennen. Unter solchen Umständen wüsste ich nicht wieso ich keinen Bock mehr haben sollte.

Hattest du Muskelkater oder war deine Regeneration so schnell, dass du jeden Tag wieder frisch loslegen konntest?

Trotz der besten Regeneration wird es nicht ausbleiben, dass man am nächsten Tag etwas spürt. Allein um die Muskeln, die Sehnen langsam wieder an die Belastung des Tages zu gewöhnen, sie wieder warm werden zu lassen, sollte man langsam loslaufen. Dies habe ich in der Regel auch getan und bin die ersten 10-20km langsam gelaufen. Danach steigerte ich meist mein Tempo.

Was fandest du härter? Transeuropalauf oder Transamerikalauf?

Ich denke nicht, dass es hierauf eine Antwort gibt. Jedes dieser Rennen bringt seine eigenen Schwierigkeiten und Überraschungen. Sie gehören zum Rennen dazu. Es geht hier nicht nur ums Laufen, es geht um das „Projekt“.

2005 hast du den Deutschlandlauf gewonnen. War es eine große Herausforderung für dich oder eher  eine Vorbereitung für den Transeuropalauf?

Jeder dieser Läufe ist eine Herausforderung und sollte ernst genommen werden. Auf der anderen Seite ist jeder Lauf auch wieder eine Vorbereitung für den Nächsten. Als ich den DL lief, träumte ich nur vom TransAm bzw. anderen Kontinentalläufen. Ich wusste aber nicht, ob ich je die Chance bekommen würde.

Trans-Großbritannien war zwar kürzer als der Transeuropa- oder der Transamerikalauf, die Etappen waren aber länger. Jeden Tag fast 100 km. Wie war es im Vergleich zu den anderen zwei Extremläufen?

Wie viele andere Läufer liebe ich Herausforderungen und versuche mich zu steigern. Ich habe diesen als einziger gefinisht und den Streckenrekord um fast 90 Stunden gebrochen. Dennoch bin ich der Meinung ein Lauf sollte so gestaltet werden, dass es realistisch ist ihn von den Teilnehmern zu finischen. Beim Trans-Großbritannien hatte ich da meine Zweifel.

Du hast fast alle maßgeblichen Mehrtagesläufe gewonnen die es überhaupt gibt. Was hast du demnächst vor? Transaustralien oder einen eigenen Lauf durch Asien?

Ich bevorzuge Wettkämpfe anstelle von Sololäufen. Einen eigenen Lauf würde ich persönlich nicht zu meinen Durchquerungen dazuzählen. Wie schon erwähnt werden Länder- oder Kontinentaldurchquerungen nicht oft angeboten. Deshalb kann ich nur hoffen, dass ich bald weitere Chancen bekomme. Traumhaft wären natürlich einen der noch fehlenden Kontinente.  

Apropos Asien: deine Frau kommt aus China. Bist du dort schon mal gelaufen oder hast irgendwelche Volkswanderungen gemacht?

Ja, ich habe beides schon gemacht. Neben ein paar Volkswanderungen (u.a. auf der Mauer), habe ich auch einen Marathon in Xiamen gemacht. Leider ist die Auswahl dort nicht so groß wie hier in Deutschland. Zudem wohnen wir in Deutschland und somit ist es ein größerer Aufwand dort an einem Lauf teilzunehmen.

Du läufst praktisch überall, meist tagsüber aber manchmal auch in der Nacht. Hast du Angst vor Menschen oder Tieren? Hast du schon mal irgendwelche negative Erfahrungen gesammelt?

Egal ob es Tag oder Nacht ist, es kann immer etwas passieren. Groß über die Gefahren nachzudenken macht einen nur verrückt und verdirbt einem den Spaß. Ich versuche es einfach zu genießen und nicht über den Rest nachzudenken. Kommt es dann zu einer Situation in der es brenzlig werden könnte (z.B. bei einem auftauchenden Wildschwein), dann muss man einfach versuchen cool zu bleiben und zu schauen wie man diese am besten löst. In der Regel ist keiner der Beteiligten auf „Stress“ aus, was dazu führt, dass die Sache sich schnell entspannt.

Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlecht angezogene Läufer. Im Rahmen des TransAmerikas hattest du auch mit Gewitter zu kämpfen. Was machst du wenn es heftig blitzt und donnert? Läufst du weiter oder machst du Pause?

Sicherheit sollte auch im Wettkampf immer Vorrang haben. Dementsprechend nutze ich unter solchen Umständen die kurze Zwangspause. Vor den Gewittern in den USA war ich glücklicherweise schon fertig. Anders beim Wetterleuchten, was aber keine Gefahr birgt. Im Gegenteil – es ist ein wunderschönes Naturspektakel.

Mehrtagesläufe sind keine organisierten Busreisen aber man kann seine Augen auch nicht verschließen. Welche Städte bzw. Natursehenswürdigkeiten fandest du am schönsten? Was gefiel dir gar nicht?

Es ist schwierig die einzelnen Dinge zu vergleichen, denn sie unterscheiden sich meist viel zu sehr. Aber die Strecke durch die Mojava-Wüste und die Steppen Amerikas waren für mich ein absolutes Highlight. Aber auch der TEFR bot mit den Etappen durch die Alpen und den Weiten Schwedens unvergessliche Anblicke.

Wie würdest du deine Mehrtagesläufe beschreiben? Kopfsache, Trainingsfrage oder vielleicht eine Begabungs- und Regenerationssache?

Ich denke es ist von allem ein bisschen. Um einen solchen Lauf  erfolgreich zu bestreiten gehört sehr viel dazu. Ich denke es ist ein Drittel Training/Begabung, ein Drittel Organisation und ein Drittel Glück.
Ohne die nötigen körperlichen Voraussetzungen wird es schwierig jeden Tag eine solche Distanz zu absolvieren. Das heißt also viel Trainieren! Dennoch darf man nicht vergessen, dass ohne guten Support (durch Veranstalter oder durch persönlichen Betreuer) und der ausreichenden Organisation (Unterkünfte, Gepäcktransport,…) man schnell am Ende ist. Neben all dem bedarf es eine Menge Glück nicht Krank zu werden oder keinen Unfall zu haben. Wie es der Vorfall bei einem Läufer während des TEFR zeigte, kann schon ein kleiner Mückenstich zum Dropout führen.

Was würdest du Läufern vorschlagen die einsteigen und Mehrtagesläufe machen möchten?

Wie bei allem – klein Anfangen! Der erste Schritt ist sicher mehrere Tage hintereinander längere Einheiten zu trainieren. Danach sollte man sich einen kleinen Mehrtageslauf heraussuchen. Es reicht, wenn dieser nur über eine paar Tage geht und eine geringe Tagesbelastung hat. Später kann man dies sukzessiv steigern.

Wie macht dein Magen mit? Ist er manchmal außer Betrieb oder funktioniert er immer einwandfrei wie deine Muskulatur?

Nun Probleme gibt es immer wieder. Der Magen ist bei mir sicher die „Achillessehne“, aber es gehört einfach dazu. Probleme gehören zu einem solchen Wettkampf wie das Laufen selbst. Nur wenn man beides meistert, dann hat man gute Chancen ans Ziel zu kommen.

24-Stundenlauf ist das schwarze Schaf bei dir. Warum klappt es nicht? Du hast doch solch eine riesige Ausdauer…

Ein Marathonläufer wird sich schwer tun gegen einen 1000m-Läufer anzutreten. Und dies obwohl es bei beiden um`s Laufen geht. Es gibt sehr viele unterschiedliche Spezialgebiete. Für mich ist Laufen Mittel zum Zweck. Ich möchte die Landschaft, die Natur und die Länder auf eine ganz spezielle Art kennen lernen. Im Kreis zu laufen, wie bei 24-Stunden-Läufen, entspricht nicht meinen Anforderungen, Bedürfnissen und Wünschen. Dementsprechend spiegelt sich das auch in den Leistungen.

Was machst du als Ausgleich? Hast du überhaupt Zeit, Lust und Kraft andere Hobbies zu betreiben?

Die Variation ist das, was dass Leben schön macht. Natürlich habe ich auch andere Interessen und Hobbys. Das größte Hobby neben dem Laufen ist die Feuerwehr. Dort bin ich seit fast 20 Jahren aktiv tätig. Zudem gehe ich gerne schwimmen, klettern, tauchen und mache Judo. Ansonsten lasse ich mich immer gern zu neuem begeistern.

Warum machst du es überhaupt? 5 km im Wald zu joggen macht Spaß, aber 50 km … Jeden Tag, sogar in Hitze, Kälte und Gewitter???

Ein solcher Vergleich ist wohl etwas schwierig. Ein Wettkampf ist kein Spasslauf im Wald. Egal bei welchem Wettkampf man sich befindet, ob 5km oder 50km, das Wetter kann man sich nie aussuchen.
Zudem gibt es genügend Leute denen es auch keinen Spaß macht die 5km im Wald bei schönem Wetter zu joggen. Sie setzen sich lieber auf die Couch, ziehen sich Filme rein, rauchen ihre Zigarette und trinken ein paar Bier. Was man unter Spaß versteht, definiert letztendlich jeder für sich selbst. Daher ist es auch nicht wichtig was andere Leute Denken!


Kannst du davon leben oder ist es eher eine Geldverschwendung, wie Las Vegas für andere?

Bei mir ging es noch nie darum davon zu leben. Es gibt im Ultrabereich selten ein Preisgeld und Sponsoren zu finden ist extrem schwer. Dennoch ist es für mich alles andere als Geldverschwendung. Zwei Monate Urlaub durch einen Kontinent kostet nun mal Geld. Egal ob man dies im Wettkampf oder als Kaffeetour macht. Die Erlebnisse die man dabei sammelt lassen sich nicht in Geld wiedergeben. Auch kann man sich die sportlichen Leistungen und Erfolge nicht einfach mit Geld kaufen – man muss etwas dafür tun!

Könntest du ohne Laufen leben? Wirst du damit vielleicht irgendwann aufhören oder wirst du es ewig machen?

Momentan würde ich sagen nein. Doch die Zeit bringt viele Überraschungen mit sich. Für mich ist wichtig, dass ich Spaß habe, es genieße und es für mich Erholung ist. Sollte ich mich irgendwann zwingen müssen oder an anderem mehr Spaß haben, dann werde ich mich entsprechend anpassen.

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